Pferde, Kutschen und Altenburger Trachten können beim traditionellen Altenburger Bauernreiten bewundert werden

29. Mai 2010

Altenburg. Wissen Sie, was Herzog August von Sachsen-Gotha-Altenburg, Kaiser Wilhelm II und Roman Herzog gemeinsam haben? Alle drei waren Zuschauer des traditionellen "Altenburger Bauernreitens". Am 29. August 2010 wird es in der Skat- und Residenzstadt Altenburg eine Neuauflage des alle paar Jahre stattfindenden großen Bauernreitens geben.

Den meisten Altenburgern wird es bekannt sein, doch vor allem Gäste, Besucher und Touristen stellen die Frage: Was ist das Altenburger Bauernreiten? Es ist ein monumentaler Hochzeitszug mit Altenburger Tracht, der zusammen mit einer Vielzahl schön geschmückter Pferde, Kutschen, Musikkapellen und Fahnen durch Altenburgs Innenstadt zieht. Das Altenburger Bauernreiten, welches von jeher Gäste aus nah und fern anlockte, fand erstmals am 25. September 1818 anlässlich eines Besuches des Herzogs August von Sachsen-Gotha-Altenburg statt.

Während im 18. und 19. Jahrhundert diese Veranstaltung ausschließlich von den Bauern der Region organisiert wurde, sind es heute vor allem Enthusiasten der Heimatvereine, die diese Tradition des Altenburger Landes streng nach historischem Vorbild pflegen und erhalten wollen. So wie der Verein Altenburger Bauernhöfe e. V., der sich mit der Geschichts- und Brauchtumspflege der Altenburger Bauern beschäftigt und Organisator des diesjährigen Bauernumzuges ist.

Dessen Vereinsvorsitzender Martin Burkhardt umschreibt den historischen Umzug wie folgt: "Das Bauernreiten ist für mich jedes Mal wie eine Zeitreise. Deshalb liegt es mir und vielen anderen Mitstreitern unheimlich am Herzen, diese großartige Tradition im Altenburger Land, die Deutschlandweit auch ein Alleinstellungsmerkmal darstellt, am Leben zu erhalten und andere dafür zu begeistern".

Zu seinen Mitstreitern zählen viele ehrenamtliche Helfer, die den Festumzug bereits Monate zuvor planen, organisieren und dafür sorgen, dass das Altenburger Bauernreiten 2010 zu einem außergewöhnlichen Ereignis wird. Neben den eigentlichen Teilnehmern des Festumzuges sind dabei vor allem die vielen fleißigen Helfer zu nennen, die schon Monate vor dem großen Event in Handarbeit die aufwendigen Trachten fertigen bzw. reparieren und die historischen Kutschen wiederherstellen.

Für den historischen Festumzug, der am 29. August 2010 um 11:00 Uhr in Altenburg startet, haben sich bislang 250 Teilnehmer, vorwiegend aus den Heimatvereinen des Altenburger Landes mit 60 Pferden bzw. Kutschen angemeldet. Die diesjährige Strecke wurde vom Chefchoreographen Dr. Christian Klau und seinem Vorbereitungsteam festgelegt. Sie führt vom Güterbahnhof in Altenburg über die Leipziger Straße, Gabelentzstraße, vorbei am Landestheater, Wallstraße zum Großen Teich und wird am kleinen Festplatz in der Zwickauer Straße enden. "Wir hoffen, dass möglichst viele Altenburger, Gäste und Touristen beim diesjährigen Bauernreiten die Straßen der Stadt säumen, denn es ist die Generalprobe für das im Jahre 2012 im Altenburger Land stattfindende Deutsche Trachtenfest, so der Vereinsvorsitzende Martin Burkhardt. Während man in zwei Jahren mit rund 2.000 bis 3.000 Teilnehmern aus ganz Deutschland und bis zu 50.000 Besuchern rechnet, wird das diesjährige Altenburger Bauernreiten eine Nummer kleiner ausfallen. Dennoch werden nicht nur Zuschauer aus Altenburg und der umliegenden Region erwartet, sondern auch Gäste aus den Partnerstädten der Skatstadt, Offenburg (Baden-Württemberg) und Olten (Schweiz), haben ihren Besuch bereits angekündigt.

Hinweis: Pferde und Kutschenbesitzer, die noch am Altenburger Bauernreiten mitwirken möchten, werden gebeten, schnell Kontakt zum Verein Altenburger Bauernhöfe e. V. aufzunehmen.

Die Historie des Altenburger Bauernreitens

Das "Bauernreiten" geht auf eine Jahrhunderte alte Tradition der Altenburger Bauern zurück. Auf den fruchtbaren Ackerböden des Landkreises siedelten sich vor mehr als einem Jahrtausend sorbisch-wendische Stämme und später deutsche Siedler als Urahnen der Altenburger Bauernschaft an. Durch ihren Fleiß, ihre Sparsamkeit und aufgrund der Eigenart, ihre Bauerngüter nicht zu teilen, entwickelte sich ein eigenständiger wohlhabender Bauernschlag, der in Deutschland seines Gleichen suchte.

In vielen Bereichen bewahrten sich die Altenburger dabei ihre unverkennbaren Eigenheiten. So hielten sie seit dem Ende des 17. Jahrhunderts an ihrer eigentümlichen Volkstracht fest, die sich bis heute nur wenig verändert hat. Ihre wertvollste Kleidung trugen die Bauern an Feiertagen und zu Hochzeiten. Eine Altenburger Bauernhochzeit konnte mehrere Tage dauern. Ein Höhepunkt war stets der feierliche Festzug zur Kirche, der je nach Größe des Bauerngutes aus einer Reiterei von bis zu 60 Bauern auf Pferden sowie 50 Frauen in Kutschen und Wagen mit Musikanten und zahlreichen Gästen bestehen konnte. Aus diesem Brauch entstand bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts das "Altenburger Bauernreiten", welches am 29. August 2010 zum 26. Mal in Altenburg stattfinden wird.