Beim Abendvortrag der Provenienzforscherin Hannah Romstedt erhalten Interessierte in einem Werkstattbericht Einblicke in das laufende Projekt am Naturkundemuseum Mauritianum.
Bereits im Jahr 2023 widmete sich das Naturkundemuseum Mauritianum Altenburg der Erforschung des afrikanischen Kulturguts in seiner ethnografischen Sammlung. Momentan findet ein weiteres Projekt zur außereuropäischen kulturhistorischen Sammlung statt – diesmal mit Fokus auf Kulturgut aus Südostasien und Ozeanien.
Anliegen des Projektes ist es, mögliche problematische Umstände der Aneignung in kolonialen Kontexten zu ermitteln: Welche Objekte aus Ozeanien und Südostasien kamen vermehrt um 1900 in das Museum? Wer waren die Personen, die das Kulturgut übergaben und wie wurden die Objekte möglichweise in den Herkunftsregionen erworben?
Um sich diesen Fragen anzunähern, begutachtete die Provenienzforscherin Hannah Romstedt die entsprechenden Objekte in der Sammlung des Mauritianums, sichtete Unterlagen im Museum, ging in lokale Archive und tauschte sich mit Kollegen und Kolleginnen der Altenburger Museen aus. In den Unterlagen tauchen Namen von Kolonialbeamten als Objekteinlieferer auf, wie der aus der Leipziger Verlegerfamilie stammende Hans Meyer oder der in der ehemaligen deutschen Kolonie Samoa tätige Richard Deeken. Aber auch Einwohner Altenburgs schenkten dem Museum Objekte, wie der Kaufmann Otto Simon, von dem das Museum ein Konvolut aus Australien erhielt. Außerdem kam es zu Überweisungen und Leihgaben aus der Rüstkammer des Schlosses der Herzöge Sachsen-Altenburgs. Interessierte sind herzlich eingeladen beim Abendvortrag die Sammlung kennenzulernen und zu erfahren, welche möglichen Ansätze beim Forschungsprojekt verfolgt oder verworfen wurden und welche Erkenntnisse sowie Wissenslücken bestehen. Mit den Einblicken in die Sammlung, zeigt die Provenienzforscherin auch, wie Akteure aus Altenburg in ehemaligen Kolonien tätig waren und welche Spuren des Kolonialismus heute noch in Altenburg zu finden sind.