Wo einst Gymnasiasten lernten arbeiten jetzt Verwaltungsfachleute
Für rund 5 Millionen Euro hat die Kreisverwaltung das ehemalige Schulhaus des Roman-Herzog-Gymnasiums in der Schmöllner Schloßstraße innerhalb von zwei Jahren zu einem modernen Verwaltungsgebäude umgebaut. Heute Mittag wurde es von Landrat Uwe Melzer offiziell in Betrieb genommen. Zum Tag des offenen Denkmals am 14. September werden interessierte Bürger die Gelegenheit haben, das unter Denkmalschutz stehende Gebäude in Augenschein zu nehmen.
Jene Fachdienste des Landratsamtes, die bisher im Mietobjekt in der Karl-Marx-Straße untergebracht waren, arbeiten nun in der Schloßstraße. Das sind: Die Leitung des Fachbereiches Bildung und Infrastruktur, die Vergabestelle, der Fachdienst Hochbau und Liegenschaften, der Fachdienst Straßenbau und Straßenverwaltung sowie der Fachdienst Schulverwaltung.
Im einstigen Schulhaus sind 65 moderne Büroarbeitsplätze, Beratungsräume und Technikräume für aktuell 49 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Kreisverwaltung entstanden. Dafür wurde das Gebäudeinnere umfänglich entkernt und lässt kaum noch an eine Schule erinnern. Die Bauleute arbeiteten sich dabei buchstäblich von ganz unten nach ganz oben. Im Anbau für die WC-Anlagen und die Archive sowie für den Aufzug waren Spezialtiefbauarbeiten erforderlich, um die bestehenden und neuen Lasten in tragfähige Baugrundschichten abtragen zu können. Auf dem Dach mussten zahlreiche kaputte Naturschieferdachplatten ersetzt werden. Die Fachleute installierten zudem eine Dachphotovoltaikanlage, die etwa 65 Prozent des Energiebedarfes decken wird. Keller- und Obergeschossdecken haben eine Dämmung erhalten. Das Heizungskonzept ist auf Energieeffizienz ausgerichtet, wofür eine Luft-Wärme-Pumpe mit einem Gaskessel gekoppelt ist. Zahlreiche neu eingezogene Wände in den drei Geschossen ließen aus Klassenzimmern Büroräume werden. Selbstverständlich wurde in das denkmalgeschützte Treppenhaus, eine Gusseisenkonstruktion mit Holzstufen, nicht eingegriffen, auch nicht in die denkmalgeschützte Gebäudefassade. Fensterbauer brachten allerdings 155 Holzfenster wieder auf Vordermann. Sanitär-, Heizungs- und Elektroinstallationen waren komplett zu erneuern. Eine daten-technische Installation nach Thüringer Verkabelungsrichtlinie ermöglicht nun allen Mitarbeitern ein zügigeres Arbeiten ohne Störungen. Schließlich ist das Gebäude auch barrierefrei zugänglich und erhielt einen Aufzug, der von der Neuen Schloßstraße aus zugänglich ist.
Die Bauleistungen umfassen zahlreiche Gewerke, die bislang im Rahmen von 29 Losen öffentlich ausgeschrieben und vergeben wurden. Ein letztes Los, nämlich die Neugestaltung der Außenanlagen, befindet sich derzeit noch in der abschließenden Planungsphase und wird in Kürze umgesetzt. Zahlreiche Aufträge konnten an Fachbetriebe in der Region vergeben werden. So etwa kommt Architektin Ulrike Runst aus Vollmershain und ging in der Schloßstraße einst selbst zur Schule. Mehr als ein Drittel aller Lose wurde an überregionale Firmen vergeben. Den weitesten Anfahrtsweg dabei hatte ein Unternehmen aus Hamburg.
Das landkreiseigene Schulgebäude Schloßstraße 10 stand seit Anfang 2019 leer, nachdem die zehnten bis zwölften Klassen des Roman-Herzog-Gymnasiums in das sanierte und erweiterte Gebäude in der Hermann-von-Helmholtz-Straße umgezogen waren, in dem aus Kapazitätsgründen bis zu diesem Zeitpunkt nur die fünften bis neunten Klassen unterrichtet werden konnten. Seitdem lernen alle Schmöllner Gymnasiasten unter einem Dach und die Schloßstraße 10 wurde als Schulstandort nicht mehr gebraucht. Im Mai 2023 hatte der Kreistag grünes Licht für das Großbauprojekt gegeben und im August darauf begannen die Bauarbeiten.