Denkmalpreise des Landkreises gehen an Jan Godts (Mühle Schelchwitz) und Louise Walleneit (Kunsthof Niederarnsdorf)
Es ist seit vielen Jahren eine schöne Tradition, dass der Landkreis zum Denkmaltag zwei Denkmalpreise für herausragendes bürgerschaftliches Engagement in der Denkmalpflege vergibt. In diesem Jahr wurden ausgezeichnet: Der Architekt Jan Godts für die Erhaltung des denkmalgeschützten Anwesens Mühle Schelchwitz sowie die Professorin Louise Walleneit für ihr Projekt Kunsthof Niederarnsdorf. Landrat Uwe Melzer überreichte die Preise am 11. September zum Eröffnungskonzert des Denkmaltages in der Altenburger Brüderkirche.
Laudatio von Landrat Uwe Melzer auf Architekt Jan Godts:
Im Altenburger Land gibt es noch heute in vielen Orten Straßen- und Flurnamen, die auf das einst blühende Mühlengewerbe verweisen. So etwa soll der Schelchwitzer Müller noch 1880 sein Mehl mit acht Eseln über den altbekannten „Eselsweg“, die „Eselsbrücke“ und den „Hausweg“ nach Altenburg gebracht haben. Das war zu einer Zeit, als es in und um Altenburg noch ca. 48 arbeitende Mühlen gab. Jahre später konnte ein Gleisabzweig das Mehl der Mühle in Münsa, der Mühle in Schelchwitz und einer nicht mehr vorhandenen Ziegelei in Höhe der Gartenanlage in Münsa aufnehmen. Und so ergab sich schließlich die Möglichkeit, die Produkte auch überregional zu vermarkten. Heute ist das Mühlenhandwerk fast gänzlich zusammengebrochen. Geblieben sind imposante Industriebauten, die sich entlang der Pleiße ziehen. Die Schelchwitzer Mühle wurde 1307 erstmalig als Mühle zum Marien-Magdalenen-Kloster erwähnt. 1704 gelangte sie in den Besitz der Herzoglichen Kammer und wurde dem Magdalen-Stift übertragen. Nach mehreren Bränden im 18. und 19. Jahrhundert wird 1880 der Mühlenbesitzer Burkhard erwähnt. Er ließ die Mühle nach modernsten Gesichtspunkten neu errichten.
Im Jahr 2002 übernahm Jan Godts die Mühle in Schelchwitz. Die Verwahrlosung des gesamten Anwesens erinnerte sehr an den maroden Zustand alter Industriekomplexe. Alle Gebäude waren dem Verfall ausgesetzt. Der Mühlgraben war ausgetrocknet und zugewachsen und wurde als illegale Mülldeponie genutzt. Das Übergangsbauwerk zwischen Mühle Münsa und Mühle Schelchwitz war nicht funktionsfähig, die Brücken am Mühlgraben baufällig und das Turbinenhaus zerstört. Der auf der Urkatasterkarte eingezeichnete Garten war nicht mehr existent und dessen Umgrenzung nur anhand von sieben kaputten Porphyrsäulen erkennbar.
Heute sind zwei Kilometer Mühlgraben freigelegt und die Ufer befestigt. 5.700 Kubikmeter Schutt wurden beräumt, zwei Brückenbauwerke statisch gesichert und wieder begehbar gemacht, die durchfeuchteten Wände des Mühlengebäudes im Mühlgrabenbereich saniert. Der Mühlgraben wurde durch typische Anpflanzungen von Kopfweiden, Erlen und Eichen rekultiviert, ca. fünf Hektar Wiesenfläche wurden von Müll und Schutt beräumt und durch Obstbäume wieder ergänzt. Ein neues Turbinenhaus mit Turbine wurde errichtet, die Grundmauern der beiden historischen Gärten freigelegt, die Porphyrsäulen instandgesetzt. Das Wohnhaus sanierte Jan Godts unter Erhaltung der historischen Fassadenansichten. Heute ist es wieder bewohnt. Für die Scheune sind nach erfolgter aufwendiger statischer Sicherung eine Wohnnutzung und ein neues Architekturbüro geplant. Das eigentliche als Landmarke in der Pleißenaue erkennbare Mühlengebäude wurde beräumt, komplett instandgesetzt und beherbergt derzeit noch sein Architekturbüro.
Mit einer dem Original entsprechenden Toranlage ist der Mühlenhof wieder komplett. Zudem widmete sich Jan Godts der Erneuerung der Schleuse, der an das historische Erscheinungsbild angelehnten neuen Einfriedung sowie der mit Natursteinpflaster angelegten Parkfläche.
Mit unglaublich viel Enthusiasmus und Ausdauer hat sich Jan Godts in den zurückliegenden 24 Jahren für den Erhalt des gesamten denkmalgeschützten Anwesens eingesetzt. Diese Leistung verdient höchsten Respekt, Dank und Anerkennung.
Laudatio von Landrat Uwe Melzer auf Professorin Louise Walleneit:
Mit wunderbaren Ideen und einer einzigartigen Energie hat Louise Walleneit einen besonderen Ort für Kunst und Kultur inmitten des Altenburger Landes geschaffen, einen Ort, der jungen Studierenden fernab der Großstadt einen Raum gibt, ihre Kreativität zu entfalten. Aus einer Vision ist seit 2022 der Kunsthof Niederarnsdorf als kreatives Projekt in einem denkmalgeschützten Vierseithof mit zwei Bauerngärten und Streuobstwiesen entwickelt worden.
Der einstige Vierseithof, der auf eine Hofstelle von 1694 zurückgeht, liegt zentral im Straßendorf Niederarnsdorf, welches insgesamt nur aus acht Gehöften und drei Einfamilienhäusern besteht. Das gesamte Dorf ist optisch geprägt vom Bild der typischen Altenburger Bauernhöfe.
Der Hof wurde 1826 umgebaut und weist seitdem die typische Architektur eines Altenburger Vierseithofes auf. Zwischen 2002 und 2022 stand er leer und war bereits dem Verfall preisgegeben. Der Hof hat viele kulturhistorisch wichtige Details, die Aufschluss geben über das Leben, Arbeiten und Wirken auf dem Bauerngut. So belegen eine Molke-Luke und verschiedene Wandnischen im Keller des Wohnhauses die historische Nutzung als Käserei. Daneben prägen ein geräumiger und gut erhaltener Brotbackofen unter einer Porphyrtreppe, eine Bohlendecke und eine Kreuzgewölbedecke das detailreiche Erschei-nungsbild des Wohnhauses. Das markante Torhaus ist erhalten und prägt das Gesicht des Dorfes Niederarnsdorf.
Ziel des Projekts war und ist es, durch die Verbindung von Kunst, Kultur, Kulinarik, ökologischem Landbau, Bildung, Tourismus, Daseinsvorsorge, Begegnung und Umweltschutz das Potenzial des ländlichen Raums zu stärken. Es sollte ein lebendiger Ort der Kreativität und Entspannung entstehen – ein Kraftort für Erholungs- und Arbeitsaufenthalte und ein attraktives Ausflugsziel im schönen Altenburger Land. In mehreren Bauabschnitten wurden und werden die vier Gebäude des Hofes für eine neue Nutzung erschlossen. Im Wohnhaus entstand ein Salon als Raum für Begegnung, Austausch und kleinere Veranstaltungen. Während die frühere Scheune bereits offene Ateliers für Arbeitsaufenthalte und Formate der kulturellen Bildung vorhält, wird momentan der ehemalige Kuhstall zum Galerie-Café barrierefrei umgebaut.
Seit vier Jahren setzt Louise Walleneit mit Hingabe ihren Vierseithof nach ökologischen und denkmalgerechten Kriterien instand, um ein bedeutendes kulturelles Erbe Mitteldeutschlands zu bewahren und an heutige Bedürfnisse anzupassen. Mit der Instandsetzung des Haupt-hauses und der weiteren Arbeiten an den Nebengebäuden wurden von ihr in den letzten Jahren wesentliche Meilensteine zur Erhaltung eines Altenburger Vierseithof gesetzt.
Die Umsetzung des Konzeptes entspricht einem sinnvollen Weg, die nach ökonomischen Gesichtspunkten für einen Landwirtschaftsbetrieb errichteten Gebäude auch heute tragfähig zu nutzen und als weiteren Ort der Begegnung für unsere Bürger im ländlichen Raum zur Verfügung zu stellen. Zudem entstand ein Ort, der das Altenburger Land als Kreativort über Mitteldeutschland hinaus bekannt macht. Diese Leistung verdient höchsten Respekt, Dank und Anerkennung.
